Quo Vadis Jänner Rallye?
Gery Hofer
Rallye Experte/Rallye Manager im Interview
Über Jahre hindurch war die Jänner Rallye, die jeweils im Mühlviertel, im Raume Freistadt abgehalten wurde, zu den größten Motorsportveranstaltungen Österreichs.
Über 100.000 Fans kamen jeweils zu diesem Ereignis und sorgten nicht nur für gute Stimmung entlang der Strecke, sondern auch für gute Umsätze in der gesamten Region.
Heuer war vorerst einmal Schluss damit. Weshalb? das fragten wir Rallye Experten Gery Hofer.
Peter Papula:
Gery Hofer, eine der erfolgreichsten heimischen Motorsportveranstaltungen, nämlich die Jänner Rallye wurde abgesagt. Was ist deine Meinung als Rennsport Experte dazu?
Gery Hofer:
Diese Absage war und ist eine Katastrophe für den österreichischen Rallyesport und natürlich
eine noch größere Katastrophe für die Region Mühlviertel. Beiden wurde ein unglaublicher und
vermutlich unwiederbringlicher Schaden zugefügt.
Peter Papula:
Der verheerende Unfall von St. Agatha soll entscheidender Auslöser für die Absage sein, glaubst Du, dass man deswegen solche Entscheidungen treffen sollte?
Gery Hofer:
Dieser Unfall war natürlich schrecklich. Aber Unfälle passieren immer und überall. Sobald sich ein Sportler oder auch Arbeiter einen Helm
aufsetzt, sowie besondere Sicherheitskleidung anziehen muss, weiß derjenige dass es gefährlich wird.
Natürlich wissen auch Zuschauer dass, wenn Sicherheitszonen eingerichtet werden, Gefahren lauern.
Im Falle von St. Agatha kann man sagen dass es unglaublich ist, welche unglücklichen Abläufe zu
diesem Horrorcrash geführt haben. Mit so einem unfall auf einer gerader Strecke, wo die Zuschauer vorschriftsmäßig hinter
der Sicherheitsabsperrung standen, damit konnte wirklich niemand rechnen. Aber es ist passiert, so sind Unglücke nun
einmalmal.
Aber: Die Verantwortlichen für die Absage der Jänner Rallye haben sich hinter diesem Unfall versteckt. Der wurde letztlich als
Mittel zum Zweck verwendet, was ich persönlich äußerst schäbig, den Sportlern und der Region
gegenüber, finde. Zudem war der Zeitpunkt der Absage sehr spät angesetzt, da hatten sämtliche Teams
schon die Zimmer reserviert und viele hatten dafür bereits Urlaub genommen.
Peter Papula:
Was hätte denn anders gemacht werden können?
Gery Hofer:
Es wurde ja schon einige Zeit vorher, auch vor dem Unfall von St. Agatha gemunkelt, dass es
Probleme geben könnte. Aber es war zu diesem Zeitpunkt nur Gerede, man wusste nur von Gerüchten hinter
vorgehaltener Hand, dass ein Hauptsponsor abspringen wird und einige Gemeinden nicht richtig mitspielen
würden. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Veranstalter schon ein Notprogramm ins Leben rufen sollen und zu
allererst die Wirtschaftskammer sowie die Tourismusverbände informieren sollen. Denn eine Veranstaltung
die in 3-5 Tagen mehrere Millionen Euro in eine Region bringt, kann man nicht einfach ohne Hilfe da stehen lassen.
Ich bin sicher dass es da Möglichkeiten gegeben hätte.
Der zuständige Bezirkshauptmann ist meiner Meinung nach, durch den Schaden, den er durch die Absage verursacht hat, untragbar geworden.
Aber auch die Geschädigten sind in gewisser Weise auch selbst mitschuld, denn die haben vor und während der Entscheidungsphase überhaupt
nicht reagiert. Erst im Nachhinein wurde über die Medien dementsprechend geschimpft, da die Umsätze aus dieser Motorsportveranstaltung völlig weggebrochen
sind. Und das sind enorme Umsätze, aber da hätte man rechtzeitig die Beine in die Hand nehmen müssen um dagegen zu halten. Die Absager hatten leichtes Spiel, weil alle anderen Parteien nur zugesehen haben.
Peter Papula:
Wann, oder wird es die Jänner Rallye überhaupt wieder geben?
Gery Hofer:
Das ist eine gute Frage!
Einige Sportler meinen dass es sie nächstes Jahr schon wieder geben wird.
Ich wohne ja in der Region und sehe in den letzten Tagen vermehrt Autos fahren die Aufkleber mit:
„Trauergemeinde Jänner Rallye“ versehen mit einem großen Kreuz, tragen.
Zudem gab es sogar „Todesanzeigen“ in Zeitungen und Kondolenzmärsche.
Das ist aus meiner Sicht völlig kontraproduktiv. Denn wenn jemand, oder etwas tot ist, dann wird er oder es
nicht mehr lebendig. Und so wie derzeit Propaganda gemacht wird, hat man sich mit der Tatsache dass es
aus ist bereits abgefunden, denn sonst würde man nicht solche Aktionen setzen.
Ich meine dass es jetzt an der Zeit wäre sich mit Spezialisten an einen Tisch zu setzen um mit
Hochdruck an einer Jänner Rallye 2011 zu arbeiten. Die Zeit drängt allerdings schon sehr.
Peter Papula:
Würdest Du so einer Expertengruppe angehören wollen?
Gery Hofer:
Nein, denn ich habe leider zu wenig Zeit dafür, ich betreue heuer wieder den Rallyeweltmeister von 2008
Andi Aigner und habe Projekte mit Armin Schwarz in Amerika. Zudem standen noch nie so viele
Oldtimer Rennen wie heuer in meinem Rennkalender. Aber wenn man mich um Ideen fragt,
würde ich sicher gerne zur Stelle sein.
Peter Papula:
Du bist aber der Meinung dass die Jänner Rallye weiterleben könnte?
Gery Hofer:
Absolut, ganz klar.
Peter Papula:
Danke Gery für das Interview!







