Kraftsport und die Frauen...?!
Am 4. Juli hat das Fitness-Magazin einen ersten Vortrag zum Thema „Hormone im Sport“ organisiert. Anlass war der enorme Wissensdurst vieler Athleten, der Bedarf zur Aufklärung vieler Missverständnisse und die Novelle zum Dopinggesetz. Wie allgemein bekannt sein sollte, kam es zu einer wesentlichen Verschärfung des Strafausmaßes bei Doping und zu einer Ausweitung des Gültigkeitsbereiches auf den privaten Bereich, auch wenn die Teilnahme an Wettkämpfen nicht geplant ist.
Hormone werden in diesem Gesetz als „besonders gefährliche Substanzen“ bezeichnet. Diese Verallgemeinerung verunsichert Patienten und untergräbt das Vertrauensverhältnis zum Arzt. Die Behandlung mit Hormonen ist Alltag in jeder Arztpraxis. Schilddrüsenhormone, Insulin, Cortison, Sexualhormone, ….selbst Erythropoetin gehört zum Alltagsrepertoire in der Medizinpraxis. Die Substanz selbst ist nicht gefährlich, wie sollte eine körpereigene Substanz auch (grundsätzlich) gefährlich sein, vorausgesetzt sie wird fachgerecht angewendet.
„Vorausgesetzt sie werden fachgerecht angewendet“….dies ist auch schon die Auflösung des Gordischen Knotens: das Gesetz bedient sich unzulässiger Verallgemeinerungen, hat aber im Prinzip schon Recht! Hormone können zu gefährlichen Substanzen werden, - in der Hand von Laien. Die Überdosierung von Hormonen ist definitiv gefährlich, der Mangel aber auch. Die Behandlung mit Hormonen bedarf einer Diagnose und einer Indikationsstellung, zu hohe Spiegel sind gleichermaßen zu vermeiden wie zu niedrige.
Hormone, die die Entwicklung von Muskel fördern sind im Erwachsenenalter den Androgenen zuzuordnen. Es ist geschlechtstypisch für Männer von diesen anabolen Hormonen wesentlich mehr zu besitzen als die Frauen, nicht umsonst werden Androgene als männliche Geschlechtshormone bezeichnet. Ein Mann baut so viele Muskel auf, wie er Testosteron besitzt. Das ist zwar sicher etwas vereinfacht dargestellt, trifft aber den Kern der Wahrheit. Muskelmangel oder mangelnder Trainingserfolg kann ein wichtiger Hinweis auf behandlungsbedürftigen Testosteronmangel sein. Solche Männer sollen sich checken lassen, denn Testosteronmangel bei Männern kann zu Krankheiten führen.
Und die Frauen? Einige Frauen waren im Auditorium und ich gestehe selbstkritisch zu, sehr viel Brauchbares war bei diesem Vortrag für die Frauen nicht dabei. Die Begründung hierfür ist ebenso einfach wie ernüchternd: Weil es nichts Brauchbares gibt! Das sollte aber nicht „persönlich“ genommen werden. Kraftsport ist zwar typisch männlich, es gibt aber auch Frauen im Kraftsport und das ist gut so.
Natürlich verfügen auch Frauen über Androgene. Da wäre einmal das DHEA aus der Nebenniere, ein geschlechtsunspezifisches Androgen. Männer und Frauen besitzen so reichlich DHEA, dass dessen Zufuhr selbst in der Anti-Aging-Medizin als nicht erfolgversprechend gilt. Dazu kommt, dass DHEA bei Frauen je nach Stoffwechselsituation überwiegend in Östrogene umgewandelt wird, wodurch dessen anabole Wirksamkeit verloren geht.
Und dann ist da noch das „eigentliche“ Testosteron, über das grundsätzlich auch Frauen verfügen, wenn auch nur zu einem Bruchteil des Männertestosterons. Dazu kommt, dass ein relevanter Testosteronspiegel nur an wenigen Tagen des Zyklus gemessen werden kann, an genau den paar Tagen vor dem Eisprung an denen auch das Östradiol zu Spitzenwerten aufläuft. In dieser Zeit sorgt Testosteron für ausreichende Lust am Sex, schließlich sind wir alle, Männer und Frauen, evolutionsbiologisch auf Fortpflanzung gepolt.
Bliebe noch das Wachstumshormon zu erwähnen, ein ebenfalls stark anaboles Hormon bei Männern und Frauen. Die höchsten Spiegel haben alle Menschen in der Wachstumsphase, nach Erreichen des 20. Lebensjahres fällt sein Spiegel dramatisch ab, so dass es im Erwachsenenalter nur mehr in marginalen Dosen zur Verfügung steht. Auf Wachstumshormon aus der eigenen Hypophyse können also Männer und Frauen beim Muskelaufbautraining nicht setzen.
Für einen den Männern vergleichbaren Muskelaufbau verfügen Frauen definitiv über zu wenig Androgene. Frauen haben daher auch weniger Muskel als Männer, eine Weisheit, der sich jeder bewusst ist. Doch Frauen definieren sich nun mal über Östrogene. Dieses Weiblichkeitshormon fördert aber nicht den Eiweißaufbau, ganz im Gegenteil, seine Stoffwechselaktivität ist liponeogenetisch, baut also Fett auf. Dies dient der Energiebereitstellung für Schwangerschaft und Stillperiode.
„Weiblichkeit“ definiert sich unter anderem über einen „typisch weiblichen“ Körperbau. Er wird bestimmt durch die hohen Spiegel an weiblichen Sexualhormonen und ist gekennzeichnet durch rundliche, sanfte Formen, die durch den erhöhten Körperfettanteil bedingt ist. Ich gebe zu, dass nicht jede Frau mit dieser „weiblichen Identität“ zufrieden ist, doch richtet sich die Biologie nicht nach den Schönheitsidealen unserer Epoche.
Die Verabreichung von Androgenen an Frauen ist ein unverzeihlicher Kunstfehler. Androgene sind für Frauen gegengeschlechtliche Hormone, das ist so, als würde man Männern Östrogene geben. Androgene berauben Frauen ihrer Weiblichkeit, verändern die Genexpression in Richtung „Mann“. Die meisten Wirkungen sind irreversibel und führen somit zu bleibenden Schäden.
Was bleibt also den Frauen um auf seriöse
Weise ihre Muskulatur zu verbessern ohne mit dem Gesetz in
Konflikt zu kommen? Nichts, als ehrliches
Training. Und die Erkenntnis, dass sie von Mutter Natur mit
anderen Schönheitskriterien ausgestattet wurden als die
Männer.
Auch wenn das oberflächlich oder gar
schlecht recherchiert klingen sollte, anders kann eine
seriöse Antwort nicht lauten.






